Der Kampf ist zu Ende

Der Kampf ist zu Ende,

in dem Moment,

 in dem du aufhörst

 zu kämpfen.

Das gilt natürlich generell, aber ich meine hier ganz besonders den Kampf gegen das Leben, gegen den gegenwärtigen Augenblick, der eben so ist, wie er ist.

Eine einfache Weisheit, und doch so scheinbar schwierig, das Kämpfen aufzugeben. Wir wollen die Kontrolle nicht aus der Hand geben, wollen die Richtung, die unser kleines Schiff nimmt, selbst bestimmen.

Doch haben wir jemals schon wirklich die Kontrolle über unser Leben gehabt? Warum ereignen sich dann trotzdem Missgeschicke, Krankheiten, Unfälle, Trennungen, Verluste in unseren Leben? Haben wir denn Kontrolle darüber, was wir denken? Bevor du mit ja antwortest, versuche doch einfach mal für einen Moment lang nichts zu denken. Oder versuche jetzt nicht an weisse Elefanten zu denken. Siehst du? Kontrolle über unser Leben zu haben ist eine Illusion, und dazu noch hat diese Illusion einen hohen Preis. Er heißt: Trennung. Du fühlst dich getrennt von allem, da du an der Illusion festhältst, deinen privaten Kurs zu steuern.

Wer kennt es nicht, diese Situationen in denen wir, so sehr wir uns auch bemühen, nicht dazu in der Lage sind das vermeintliche Problem zu lösen. Lassen wir an irgendeinem Zeitpunkt von unseren oft verkrampften Bemühungen ab, so findet sich mit einem Mal eine Lösung. Vielleicht auf eine etwas andere Weise, als wir das zuvor beabsichtigt hatten, was dem Ergebnis jedoch keinen Abbruch tut. Im Gegenteil, oft übertrifft sogar diese Lösung die zuvor von uns angestrebte um ein Weites.

Eugen Herrigel beschreibt diesen Sachverhalt sehr bildhaft in seinem Buch: “Zen und die Kunst des Bogenschießens”. Nachdem er unter Anleitung seines Meisters Kenzo Awa in Japan etwa ein Jahr lang damit verbracht hat zu üben, den Bogen auf die richtige Weise zu spannen, geht es im nächsten Schritt um die richtige Weise den Schuss zu lösen. Der Meister gibt ihm den Rat, die rechte Hand beim Lösen des Schusses nicht zu öffnen, der Schuss müsse sich von selber lösen. Als Herrigel weiter damit kämpft, die wie er meint richtige Technik herauszufinden um den Schuss zu lösen, weigert sich sein Meister zunächst den Unterricht fortzuführen. Nur auf die Fürsprache eines Freundes hin darf er die Übungen fortsetzen. Auf die Frage, wie der Schuss gelöst werden könne, wenn er selbst es nicht tue, erwidert der Meister: “Es schießt”. Herrigel versteht die Antwort nicht, und nach und nach wird es ihm auch gleichgültig, ob er das Kyudo lernt oder nicht, ob er das Zen versteht oder nicht, ob er erfährt, was mit dem Es gemeint ist oder nicht. Er übt einfach vor sich hin und wird auf diese Weise tatsächlich, was er monatelang vergebens versucht hatte - absichtslos. Schließlich erreicht Herrigel, was er nun nicht mehr anstrebt. Eines Tages, nach einem Schuss, verbeugt sich der Meister tief und bricht dann den Unterricht ab mit dem Ausruf: “Soeben hat Es geschossen!”.

[Text über Herrigel auszugsweise aus einer Diplomarbeit von Michael Horvath]

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Ein Kommentar zu “Der Kampf ist zu Ende”

  1. Brigitte sagt:

    Lieber Reinald,

    dieser Beitrag kommt in diesem Augenblick wie gerufen. Das Thema “Hingabe” ist im Momment sehr präsent. Veränderungen stehen an und gleichzeitig damit erscheint Widerstand (hier Angst) und der Versuch zu kontrollieren. Ich bin immer wieder erstaunt, wenn solche alt bekannten Muster auftauchen und mich begrüßen. Wieder eine Chance genau hinzusehen und sich nicht täuschen zu lassen. Dein Beitrag macht mir gerade sehr viel Mut. Dankeschön.

    Liebe Grüße
    Brigitte

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