Sorge dich nicht

Sorge dich nicht, denn der Herr ist immer mit dir.

hätte Jesus möglicherweise gesagt. Wenn wir einmal das Wort Herr durch Leben ersetzen, dann wird dieser Satz und seine Bedeutung für unser tägliches Leben vielleicht verständlicher. Also:

Sorge dich nicht, denn das Leben ist immer mit dir, niemals gegen dich
und weiter:
Sorge dich nicht, denn alles was du in diesem Augenblick benötigst,
hast du bereits. Und in jedem weiteren Augenblick ebenfalls
“.

Also der Herr, und damit auch der Segen des Herrn sind immer mit dir. Die Betonung liegt auf mit. Das Leben ist immer mit dir. Auch dann, wenn du manchmal verzweifeln magst und denkst, dass das Leben gegen dich sei. Aber, du denkst das nur. Das ist der Witz an der ganzen Geschichte. Du denkst, das Leben sei in gewissen Momenten gegen dich. Es verhält sich aber genau umgekehrt. Du stellst dich in ganz vielen Momenten gegen das Leben. Und so bleibt es nicht aus, dass dir die eine oder andere Lektion nicht erspart bleibt. Nicht einmal, dass man sagen könnte das Leben erteilt dir diese Lektion. Nein, du bist es selbst, der sich diese Lektionen immer wieder erschafft. Solange, bis du erkennst wie gut das Leben für dich sorgst, in jedem Augenblick. Das einzige Problem dabei ist, und deswegen leidest du immer wieder so, dass du es ständig anders haben möchtest, als es ist.

Stell dir vor, das Ganze ist ein Spiel. Du bist am Zug und möchtest gerne gewinnen. Aber vielleicht ist das heute nicht der Tag für deinen Sieg. Vielleicht möchte das Leben lieber heute mal jemand anderen gewinnen lassen, und tut das auch. Nun könntest du dich entweder ärgern, dass du dabei bist das Spiel für heute zu verlieren, oder du könntest dich entscheiden auch darin die Schönheit zu erkennen. Entweder dich einfach über die gemeinsam verbrachte Zeit zu freuen, oder zum Beispiel sogar die Freude auf dem Gesicht deines Gegenübers zu deiner Freude zu machen.

Ich spielte eine Zeit lang regelmäßig Schach, und sonntags trugen wir oft Wettkämpfe aus. Viele Partien habe ich gewonnen, aber über manche, die ich nicht gewonnen hatte, habe ich mich mindestens genauso gefreut. Dann nämlich, wenn es meinem Gegenüber und mir geglückt war, eine besonders spannende und brillante Partie zu spielen. Wer den Sieg mit nach Hause nimmt, war dann nicht mehr so wichtig. Was nicht heißt, dass ich keinen Ehrgeiz hatte. Oh doch, den hatte ich wohl. Selbst wenn meine Mannschaft den Sieg schon in der Tasche hatte (wir spielten an acht Brettern), und selbst wenn ich mich zu diesem Zeitpunkt in einer eher unterlegenen Position befand, wollte ich meine Partie zu Ende bringen. Oft genug gelang es mir dann sogar, das Blatt noch einmal zu meinen Gunsten zu wenden. Manchmal vielleicht nur deshalb, weil der Gegner die Partie ja schon für seine Mannschaft gewonnen wusste und nicht mehr mit vollem Engagement bei der Sache war.

Doch zurück zum alltäglichen Leben. Wie ist es dann mit Krankheit, Verlust, Schmerz, Trauer … und anderen unangenehmen Erfahrungen und Gefühlen, die wir in der Regel gerne vermeiden möchten? Ist das Leben dann auch mit uns?

Ich sage ja, und versuche dir hier zu erklären warum:
Ein Verlust der Arbeitsstelle, eines geliebten Menschen oder einer Sache mag zunächst sehr schmerzhaft sein, aber schafft - so banal das klingen mag - stets Platz für etwas Neues. Dieses Neue mag sich dir oft erst sehr viel später zeigen, manchmal erst viele Jahre später, aber es führt kein Weg daran vorbei - um Platz für etwas Neues zu schaffen muss zuvor etwas Altes weichen. Du kannst keinen Tee in eine volle Tasse gießen. Und wenn du jetzt sagst, dass du mit dem Alten doch ganz zufrieden warst, dass du gar nichts Neues hättest haben wollen, dann verkennst du einfach die Natur des Lebens. Das Leben schreitet immer fort, ob dir das gefällt oder nicht. Das liegt in seiner Natur, du kannst es nicht aufhalten. Du kannst es dir aber zum Vorteil machen, wenn du bereit bist dich auf das Abenteuer des Lebens einzulassen. Dann plötzlich erscheint es dir so, dass das Leben für dich arbeitet, was es aber sowieso schon immer tut.

Eine Krankheit mag dich vielleicht zum Innehalten zwingen, dir Zeit geben dich dir selber zuzuwenden. Zeit, die du dir anders sonst nicht genommen hättest. Oder sie konfrontiert dich mit der Tatsache, dass du nicht unverletzlich bist, für was du dich so gerne hieltest - oder im Extremfall sogar mit dem Tod, mit der Tatsache dass wir alle, die wir einen Körper bewohnen, sterblich sind, zumindest dieser Körper.

Ganz ähnlich mit dem Schmerz, auch er will dich auf etwas aufmerksam machen, dem du bisher zu wenig Aufmerksamkeit gegeben hast.

Und wenn du traurig bist, so sei einfach traurig. Deine Trauer wird den Schmerz, auch den eines sehr schweren Verlustes heilen.

Also, wenn alle diese Ereignisse einen Sinn für uns haben, dann ist es doch sicher nicht abwegig zu sagen, das Leben sei für uns, in jedem Augenblick. Wir brauchen uns also keine Sorgen zu machen, niemals. Oder, wie Jesus es vielleicht gesagt hätte:

Sorge dich nicht, denn der Herr ist immer mit dir.

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Erstellt am Mittwoch 10. September 2008
Unter: Buchfragmente | 4 Kommentare »

Stille

Ein leichtes Räkeln
unter meiner Decke
gelegentlich nur
ein paar Regentropfen
auf dem Dach


Mein eigener Atem
das einzige Geräusch
auf dieser Erde

Stille – welch ein
unsagbares Glück

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Erstellt am Montag 8. September 2008
Unter: Sternschnuppen | Keine Kommentare »

Termin in Schleswig 20.09.2008

Mal ein bisschen Werbung in eigener Sache für einen Workshop, den ich im September zusammen mit einer wunderbaren Yogalehrerin zusammen in Schleswig gebe, sofern genügend Anmeldungen zustandekommen.



Flyer als .pdf zum Download

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Erstellt am Dienstag 2. September 2008
Unter: Termine | Keine Kommentare »

Garten Eden

Für Shiva und alle, die das Paradies je verloren glaubten

Einst im Garten Eden

 

Ich aß die Frucht

vom Baum der Erkenntnis

und obschon ich fortan

mein Brot

im Schweiße meines Angesichts

mir selbst verdienen musste

bereute ich nichts

es war mir egal

 

Denn das

was ich bin

hat alle Mühen

die ich seit dem

auf mich genommen

alle Schmerzen

die ich seit dem

erlitten

alle Tode

die ich seit dem

gestorben

unbeschadet überstanden

 

Nichts davon

kann je

zerstört werden

nichts davon

kann je

verloren gehen

denn ich bin

ohne Anfang

und ohne Ende

 

Ich bin das

aus dem alles

hervorgegangen ist

 

Ich bin

Einheit und Trennung

Licht und die Dunkelheit

zugleich

 

Ich bin der

von dem alle Worte stammen

und alle Bücher

die jemals geschrieben wurden

 

Ich bin

was immer du dir vorstellen kannst

und ich bin

jenseits aller Vorstellungskraft

 

Ich bin alles

was dein Auge je erschaut hat

und ich bin formlos

ohne jede Gestalt

 

Ich bin

der unendliche Klang

und

die Stille

 

Ich bin

das Namenlose

und die abertausend Namen

die jemals erdacht

 

Ich bin

was alle Religionen lobpreisen

und ich bin der

der lobpreist

 

Ich bin

die Blume am Wegesrand

und ich bin der Betrachter

der sich an mir erfreut

 

Ich bin

das Universum

in dem sich all dies

befindet

 

Ich bin

der Garten Eden

und ich bin

im Garten Eden

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Erstellt am Freitag 29. August 2008
Unter: Sternschnuppen | 4 Kommentare »

Indien im Winter 2008/2009

Gestern kam mir die Idee, zu schauen ob es hier unter den Bloglesern Menschen gibt, die Lust haben im Winter eine Zeit lang mit mir gemeinsam in Indien unterwegs zu sein. Ich habe mich her vor ein paar Tagen überraschend dazu entschieden (nein - es müsste heißen: ES hat mich entschieden, und ich war ganz überrascht) auch diesen Winter wieder in Indien zu verbringen.

Der einzige wirkliche Fixpunkt auf dieser Reise ist die Zeit vom 18. bis 28. Dezember in der ich in Tiruvannamalai an einem Silent Retreat mit meinem geliebten Lehrer und Satguru Mooji teilnehme. Ich habe mich erst gestern dafür angemeldet und konnte den vorletzten Platz, der noch mit Lodging im Ashram zu vergeben war, bekommen. Falls sich noch jemand ganz schnell entschließt mitzukommen, so weit ich weiß gibt es noch etwa fünf Plätze für Teilnehmer, die sich ihre Übernachtung außerhalb selbst organisieren.

Wer Mooji nicht kennt, nur ganz kurz: ein Schüler von Papaji, Rastaman aus Jamaika, ein ungeheuer warmherziger liebevoller Mann der voller Humor, Geduld und Mitgefühl die Menschen hinführt zu der einen Erkenntnis, ganz im Stile Ramanas indem er solchen Frage nachgeht wie: “Wer denkt diesen Gedanken?”, “Wer fühlt diese Gefühle?”, “Wer ist sich dessen gewahr?”. Nach seinen Satsangs, die ungefähr zwei Stunden dauern, bleibt er oft noch für längere Zeit verfügbar für Menschen, die noch ein paar persönliche Worte mit ihm austauschen wollen, oder was viel häufiger geschieht, eine Berührung, eine Umarmung. Natürlich auch für Nicht-mehr-Sucher zum Auftanken in dieser wunderbaren Energie. Es gibt einige Videoclips von ihm auf youtube, mein Favorit ist eigentlich gar kein Video sondern eine Diashow mit Bildern solcher Umarmungen/Begegnungen: “The Embrace – Mooji” http://de.youtube.com/watch?v=MJYvErgXDww
Ich weiß nicht, ob das für alle so rüberkommt, aber mir laufen die Tränen jedes Mal, wenn ich das Video anschaue. Naja, ist halt auch mein Meister.

Die anderen Videoclips sind leider etwas schlecht im Ton, man kann ihn teilweise nicht sehr gut verstehen, aber vor Ort ist der Ton perfekt.

Weitere Infos: http://www.mooji.org/indiaretreat.html

Hier noch ein Foto von Mooji und mir im letzten Jahr:

Mooji bleibt nach dem Retreat noch bis Mitte Februar in Tiruvannamalai und gibt dort fast täglich Satsang, den man ohne Voranmeldung besuchen kann. Es sind zu der Zeit auch genügend andere Lehrer in der Stadt, letztes Jahr waren dort GAIA, Karl Renz, Tathagata, Premananda, Mirinda, Prajnaji und einige mehr, dazu die lokalen Heiligen, und nicht zu vergessen den Ashram von Sri Ramana Maharshi, sowie Arunachala, der heilige Berg. Also bestimmt für jeden etwas dabei. Tiruvannamalai selbst ist aber kein besonders angenehmer oder interessanter Ort, so würde ich wohl nur dann länger dort bleiben, wenn sich eine kleine Gruppe zusammenfindet und sich zeigt, dass wir diese Erfahrung teilen möchten. Ansonsten würde ich wahrscheinlich bald nach dem Silent Retreat weiterreisen nach Kerala oder Auroville, eventuell auch noch einmal zurück nach Arambol/Goa, von wo aus ich meine Indienreise etwa ab Mitte oder spätestens Ende November beginnen möchte. So ab Anfang März möchte ich dann weiter in den Norden Indiens, Varanasi und später Rishikesh wären mögliche Stationen.

Aber wie gesagt, noch ist nichts fest, und ich lasse mich auch gern vom Fluss des Lebens treiben, in Indien noch mehr als anderswo. Wobei ich, wenn gemeinsame Unternehmungen verabredet sind, diese in der Regel auch einhalte. Wer also Lust hat mich, und vielleicht Andere die sich noch dazu gesellen, zu begleiten - und sei es auch nur für ein kurzes Stück des Weges - der sei herzlich willkommen, auch damit, seine Anregungen, Ideen, Vorschläge, Wünsche und natürlich auch seine Fragen einzubringen.

Den Text findet ihr nochmal auf http://www.forum-inne-sein.de/t1599f59-Indien-im-Winter.html.

Alle Fragen und Diskussionen bitte dort, damit ich nicht alles zweimal schreiben muss. Ihr braucht euch im Forum dort nicht anzumelden, um in diesem Thread Mitteilungen zu schreiben!

Aber wenn ihr an dem Inne-sein-Forum - das ich selber sehr schätze - Gefallen findet und euch deswegen da anmelden wollt,  seid ihr natürlich herzlich willkommen das zu tun.

Namaste
Licht und Liebe

Reinald

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Erstellt am Dienstag 26. August 2008
Unter: Nicht kategorisiert | 4 Kommentare »

Neue Seite “Über diesen Blog”

Ich habe eben die Seite “Über” überarbeitet. Sie heißt jetzt “Über diesen Blog” und enthält einen Text anstelle der bisherigen Fotos.

Da es nicht sofort auffällt dass sich dort etwas getan hat, hier noch einmal der Text, der auch ein wenig wiedergibt was mich dazu bewegt hat, diesen Blog zu schreiben:

~

Als einer, der über fünfzehn Jahre lang auf dem Weg, auf der Suche war, und dabei mehr als einmal die dunkle Nacht der Seele von Verzweiflung, Resignation und schweren Depressionen durchschritten hat, habe ich mir unterwegs immer wieder so manche Frage gestellt, wie zum Beispiel:

  • Wenn ich bereit wäre, alles dafür zu geben – gibt es einen Ausweg in die Freiheit, in das Glück? Gibt es einen Weg zurück ins Paradies?“

  • Oder kann ich nichts tun ausser zu hoffen auf ein Wunder, auf göttliche Gnade vielleicht? Gibt es so etwas wie Gnade überhaupt, und wenn ja, was gibt mir die Hoffnung Gnade zu erlangen?

  • Welche Rolle spielt Gebet, brauche ich nur lange und inbrünstig genug zu bitten, und ich werde erlöst von meinen Leiden?“

  • Wie geht das ohne Glauben? Wie kann ich zum Glauben finden, wenn Glaube es ist, das mich retten kann?“

  • Positives Denken, The Secret, Wünsche ans Universum usw., ist das Leben einfach ein Selbstbedienungsladen? Und wenn es wirklich funktionieren sollte, macht mich das auch glücklich? In welcher Währung muss ich eines Tage möglicherweise zurückbezahlen, was ich auf diese Weise entnommen habe?“

  • Zu guter Letzt die für mich ab einem bestimmten Zeitpunkt wichtigste Frage: „Was ist denn nun Erleuchtung?“

  • Und, wenn das der Ausweg ist, wie komme ich denn zur Erleuchtung?“

  • Oder bleibt wieder nichts anderes, als zu hoffen auf Gnade?“. Denn es wird ja gesagt, dass Erleuchtung nicht durch Anstrengung und Bemühen erlangt werden kann.

Diese und andere Fragen sind Gegenstand der hier veröffentlichten Texte. Der Autor hat die Antwort auf die wohl wichtigste Frage auf der Suche nach Erleuchtung für sich gefunden und ist seitdem vielen anderen Menschen begegnet, die diese Antwort auch selbst gefunden haben. Die, auf welchem Weg auch immer, zu der Antwort gefunden haben auf die einzige wirklich wichtige Frage, die ein ernsthaft Suchender sich jemals zu stellen braucht:

„WER BIN ICH?“.


Das ist aus meiner heutigen Sicht die Königsfrage einer jeden spirituellen Suche. Die Frage, die der große Weise Indiens des letzten Jahrhunderts, Ramana Maharshi uns gab: „WER BIN ICH?“. Die Antwort auf diese Frage, aus tiefstem Herzen selbst empfunden - denn es gibt keine Worte um dies auch nur annähernd auszudrücken - ist die Antwort aller Antworten, die Antwort die alle anderen Fragen obsolet macht, hinfällig bis zur völligen Bedeutungslosigkeit. Die Antwort auf die Frage „WER BIN ICH?“ ist der Schlüssel zum Leben, der Generalschlüssel sozusagen, der alle Kammern des Herzens zu öffnen vermag.

Erstellt am Montag 25. August 2008
Unter: Nicht kategorisiert | 5 Kommentare »

Der Kampf ist zu Ende

Der Kampf ist zu Ende,

in dem Moment,

 in dem du aufhörst

 zu kämpfen.

Das gilt natürlich generell, aber ich meine hier ganz besonders den Kampf gegen das Leben, gegen den gegenwärtigen Augenblick, der eben so ist, wie er ist.

Eine einfache Weisheit, und doch so scheinbar schwierig, das Kämpfen aufzugeben. Wir wollen die Kontrolle nicht aus der Hand geben, wollen die Richtung, die unser kleines Schiff nimmt, selbst bestimmen.

Doch haben wir jemals schon wirklich die Kontrolle über unser Leben gehabt? Warum ereignen sich dann trotzdem Missgeschicke, Krankheiten, Unfälle, Trennungen, Verluste in unseren Leben? Haben wir denn Kontrolle darüber, was wir denken? Bevor du mit ja antwortest, versuche doch einfach mal für einen Moment lang nichts zu denken. Oder versuche jetzt nicht an weisse Elefanten zu denken. Siehst du? Kontrolle über unser Leben zu haben ist eine Illusion, und dazu noch hat diese Illusion einen hohen Preis. Er heißt: Trennung. Du fühlst dich getrennt von allem, da du an der Illusion festhältst, deinen privaten Kurs zu steuern.

Wer kennt es nicht, diese Situationen in denen wir, so sehr wir uns auch bemühen, nicht dazu in der Lage sind das vermeintliche Problem zu lösen. Lassen wir an irgendeinem Zeitpunkt von unseren oft verkrampften Bemühungen ab, so findet sich mit einem Mal eine Lösung. Vielleicht auf eine etwas andere Weise, als wir das zuvor beabsichtigt hatten, was dem Ergebnis jedoch keinen Abbruch tut. Im Gegenteil, oft übertrifft sogar diese Lösung die zuvor von uns angestrebte um ein Weites.

Eugen Herrigel beschreibt diesen Sachverhalt sehr bildhaft in seinem Buch: “Zen und die Kunst des Bogenschießens”. Nachdem er unter Anleitung seines Meisters Kenzo Awa in Japan etwa ein Jahr lang damit verbracht hat zu üben, den Bogen auf die richtige Weise zu spannen, geht es im nächsten Schritt um die richtige Weise den Schuss zu lösen. Der Meister gibt ihm den Rat, die rechte Hand beim Lösen des Schusses nicht zu öffnen, der Schuss müsse sich von selber lösen. Als Herrigel weiter damit kämpft, die wie er meint richtige Technik herauszufinden um den Schuss zu lösen, weigert sich sein Meister zunächst den Unterricht fortzuführen. Nur auf die Fürsprache eines Freundes hin darf er die Übungen fortsetzen. Auf die Frage, wie der Schuss gelöst werden könne, wenn er selbst es nicht tue, erwidert der Meister: “Es schießt”. Herrigel versteht die Antwort nicht, und nach und nach wird es ihm auch gleichgültig, ob er das Kyudo lernt oder nicht, ob er das Zen versteht oder nicht, ob er erfährt, was mit dem Es gemeint ist oder nicht. Er übt einfach vor sich hin und wird auf diese Weise tatsächlich, was er monatelang vergebens versucht hatte - absichtslos. Schließlich erreicht Herrigel, was er nun nicht mehr anstrebt. Eines Tages, nach einem Schuss, verbeugt sich der Meister tief und bricht dann den Unterricht ab mit dem Ausruf: “Soeben hat Es geschossen!”.

[Text über Herrigel auszugsweise aus einer Diplomarbeit von Michael Horvath]

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Erstellt am Donnerstag 21. August 2008
Unter: Sternschnuppen | 1 Kommentar »

Neue Kategorie - Sternschnuppen

Eigentlich wollte ich eine neue Kategorie einrichten unter dem Namen Gedankensplitter. Für kurze Texte, Zitate, Eingebungen - das was man gemeinhin Gedankensplitter nennt.

Doch dann habe ich bemerkt, dass mir dieser Begriff nicht gefällt, nicht dem entspricht, was ich eigentlich ausdrücken möchte. Es handelt sich nämlich in den allermeisten Fällen nicht um Produkte des Denkens (= Gedanken), sondern eher um Eingebungen. Natürlich ist es letzten Endes, wenn ich es als Worte, als einen Satz formuliert habe, immer ein Gedanke. Ich denke diesen Satz. Aber zu mir gekommen sind diese Sätze oft ganz unvermittelt, waren plötzlich da, wie aus dem Nichts entstanden, wie eine Sternschnuppe, die vom Himmel fällt.

Deshalb werde ich diese Kategorie Sternschnuppen nennen. Manchmal werde ich diesen Sternschnuppen noch einen kommentierenden Text hinzufügen, manchmal werde ich Sie einfach so stehen lassen wie sie sind. Und nun, lass dich inspirieren von meinen Sternschnuppen.

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Erstellt am Donnerstag 21. August 2008
Unter: Sternschnuppen | Keine Kommentare »

Das Parkticket

Soll ich nicht vielleicht doch einen Parkschein lösen?” war es mir vielleicht vor anderthalb Stunden den Kopf geschossen, nachdem es nun schon 15:00 Uhr vorbei war, und ich mit meinen Campingbus immer noch auf dem herrlichen Parkplatz in Meeresnähe stand, auf dem ich übernachtet hatte. Aber Parkscheine sind mir nicht wichtig. Weder verweigere ich es grundsätzlich, mir einen zu lösen, noch habe ich irgendwelche moralischen Bedenken es nicht zu tun. Und nun passiert es - ein Kleinwagen fährt vor, stellt sich schräg von meinen Bus, das bislang einzige Fahrzeug auf diesem Parkplatzabschnitt. Ein Herr steigt aus, ich sehe die lederne schwarze Gürteltasche und weiß Bescheid. Aber da ist nicht die geringste Aufregung in mir. Er spricht mich an und fragt: “Sie haben doch sicher ein Parkticket?” Ich antworte: “Ja“, denn ich habe eines, allerdings von einem anderen Tag und einem anderen Ort, es steckt sogar noch hinter meiner Windschutzscheibe. Er geht auf meinen Wagen zu, betrachtet das Ticket und stellt fest: “Das ist aber nicht von hier“. Ich gehe zu ihm hin, nehme das Ticket aus dem Wagen, betrachte es und sage: “Oh, sie haben Recht, das ist das falsche” und beginne in der Türablage zu kramen, wo ich noch allerlei Zettelchen habe, Tankstellenbons und auch einige alte Parkscheine. Aber natürlich, der richtige ist nicht dabei, ich habe ja für heute noch keinen gelöst. So schaue ich ihn lächelnd an und sage: “Entschuldigung, es tut mir Leid, aber so wie es aussieht, kann ich im Moment kein gültiges Ticket vorweisen“. Er lächelt zurück und sagt: “Dann holen Sie sich eben jetzt nochmal ein eines, dann ist die Sache erledigt“. Ich nicke, bedanke mich und wünsche ihm noch einen schönen Tag. Wie gesagt, ich mache mir eigentlich nichts aus Parktickets. Aber da der fremde Herr so freundlich zu mir war, löse ich an diesem Tag dann doch noch eines.

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Erstellt am Freitag 15. August 2008
Unter: Geschichten aus dem Leben | 3 Kommentare »

Über Gnade

Oft wird im Zusammenhang mit Erwachen die Frage gestellt, ob es uns durch Gnade geschieht.

Die Frage ist verständlich, wird doch von vielen spirituellen Lehrern immer wieder betont, dass wir absolut nichts dafür tun können, um zu erwachen, um Erleuchtung zu erlangen. Im Gegenteil - dass jedes wollen, jedes daraufhin ausgerichtete tun uns nur weiter trennt davon.

Andererseits gibt es genug Menschen, die nichts dergleichen für sich anstreben, nicht einen Gedanken daran verschwendeten, mithin also ohne jegliches Wollen diesbezüglich sind. Aber von den meisten von ihnen kann man schwerlich behaupten, sie seien erwacht.

Also ist es eine Gnade wenn es den Einen trifft und den Anderen nicht? Manche die erwacht sind beschreiben es so, empfinden es als eine Gnade die ihnen widerfahren ist.

Was also ist Gnade, gibt es so etwas wie Gnade überhaupt?

Aus meiner Sicht ist Gnade der Prozess der Hinführung auf das Erwachen. Gemeinhin nennen wir diesen Prozess “unser Leben”.

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Es ist also nicht so, dass Gnade nur in bestimmten nicht vorhersagbaren und von uns nicht beeinflussbaren Momenten zu uns kommt - oder eben nicht. Das wäre ja, als würde Gott darüber würfeln, wem er wann Gnade zuteil werden lässt.

Aber so ist es nicht!

Wir alle, egal ob Dieb oder Pastor stehen in jedem Augenblick “in Gottes Gnade”. Jeder Augenblick unseres Lebens ist gesegnet, auch wenn wir dies oft nicht sehen können, oder allenfalls erst im Rückblick sehr, sehr viel später. Der Segen besteht aber nicht, wie wir vielleicht denken mögen, darin dass wir ein leichtes, sorgenloses Leben führen können, ein Leben in ständigem Überfluss und Fülle. Das kann wohl mitunter geschehen, ist nicht ausgeschlossen, wenn uns das wirklich dient. Aber in allererster Linie besteht der Segen der beständig auf uns liegt darin, dass alles was uns je widerfährt ein einziges Ziel hat: Uns an den Punkt zu führen, an dem wir erwachen, egal ob wir das wollen oder nicht. An dem wir erwachen zu unserer wahren Natur, an dem wir erwachen zu sehen, das ist nur ein Sein gibt das alles umfasst, an dem wir erkennen dass unser Leben - wie hart und schmerzvoll es auch immer gewesen sein mag - schon immer gesegnet war. Das ist das Wunder, die Gnade, die unendliche Weisheit des Seins oder wie auch immer wir es nennen mögen.

Walter Lechler, ein großartiger Arzt und Psychotherapeut, auf den das so genannte Bad Herrenalber Modell zurückgeht das vor allem in der Heilung von Essstörungen und Suchtverhalten recht erfolgreich ist, drückte diesen Zusammenhang auf seine Weise aus: “Wen Gott liebt, den lässt er Alkoholiker werden“. Was er glaube ich damit meinte ist, dass wir mitunter sehr einschneidende, schmerzhafte Erfahrungen brauchen, bis wir bereit sind den Weg des Heils zu beschreiten. Die Situation eines Alkoholikers ist in einem bestimmten Stadium so existenziell, dass er nur noch eine Wahl hat: Entweder eine radikale Umkehr, ein grundlegender Lebenswandel der nur möglich ist wenn gleichzeitig ein tiefgreifender inneren Wandel stattfindet - oder eben das Leben zu beenden, üblicherweise in dem er sich vollends zu Tode säuft. Viele Alkoholiker, die den Ausstieg geschafft haben, haben durch ihre Sucht zu Gott gefunden. Auch darin zeigt sich die Gnade von der ich spreche.

Die Gnade ist also immer da, in jedem Moment. Erwachen ist auch immer möglich, in jedem Moment. Wenn wir in unserer Vorstellung die Möglichkeiten des Erwachens an eine Bedingung knüpfen, z.B. an eine Gnade, die uns möglicherweise irgendwann gewährt wird, so ist das schlichtweg eine Ausrede. Eine Ausrede, ein Aufschieben in die Zukunft, in eine Zukunft die nie eintreten wird, da es immer nur einen einzigen Augenblick, den jetzigen Moment gibt.

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Erstellt am Mittwoch 13. August 2008
Unter: Buchfragmente | 1 Kommentar »